Ausflüge
3. Das Tal von Pomonte
Durchschnittsdauer : Etwa 5 Stunden.
Höhenunterschied : mini: 32 m - maxi: 631
m
Schwierigkeit : der Weg ist nicht gut gekennzeichnet
in Inneren des Tales. Die Strecke ist in kurzen Teilen von der Vegetation
versperrt. Die Strassendecke ist ab und zu rutschig.
Wir
brechen auf von Pomonte, das antike ländliche Zentrum des westlichen
Elba; der Weg (Wegweiser C.A.1. Nr. 9) beginnt an der kleinen Brücke
über die Straße des Passatoio in die bebauten Felder
des Tales. Der Weg ist über lange Strecken granitgepflastert
und gut erhalten. Die Landschaft ist typisch terrassiert mit Trockenmauern,
die die Kulturen trennen und stützen; hier sieht man tausende
von Rebenreihen, einst bis auf die höchsten Hügel kultiviert,
und man sieht kleinste Erdflecken den bloßen Felsen abgerunggen,
ohne jedes mechanische Hilfsmittel, nur mit der Kraft der Arme,
kultiviert. Dies sind die Zeugen des Lebens eines Volkes, das im
Schweiße der Mühe, in einer Kultur des Meeres und des
Berges, bis in unsere Zeit durch Jahrhunderte der Geschichte gewachsen
ist. Hie und da erscheinen die aus Granodioritplutongestein bestehenden
Felsengruppen, hier "Coti" genannt, oder man findet sie
in glatten und länglichen Plattformen auch auf dem Weg, auf
die Präsenz besonderer Mineralien wie Aplitgänge, Porphyrium,
Pegmathit Adern hinweisend. Der Maultierweg führte in die Nähe
der kultivierten Ländereien, aber er war vor allem die einzige
innere Verbindung um San Piero und Vallebuia zu erreichen. Die beiden
Orte waren einmal sehr wichtig für die Förderung und Bearbeitung
des Granits.
Um den unberührtesten Teil des Tales zu erreichen, muß
man an der Kreuzung des Weges Nr. 31 und an den Ruinen eines kleinen
Magazins nicht weit von einem Bach vorbei. Nach und nach, um so
mehr wir uns von der bewohnten Gegend entfernen, verschwindet die
bucholische Landschaft und macht der spontanen Vegetation Platz,
die die einstmals bearbeiteten Gebiete schnell zurückerobert:
eine emblematische Situation, von einem wechselhaften Gleichgewicht
zwischen Mensch und Natur, heute leider vergessen.
Von den Ruinen des Magazins erreicht man in kurzer Zeit einen Kastanienwald,
wo ebenfalls ein Bach ist; über den Bach hinweg, den Weg nördlich
verfolgend, steigen wir in häufigen Serpentinen auf, inmitten
der Vegetation, bis wir an einige einsturzgefährdete Ruinen
kommen. Die Vielzahl der im ganzen Tal verstreuten Magazine sind
Zeugen für die immense einst vollbrachte Arbeit. Im Inneren
der Magazine befinden sich die noch gut erkennbaren Instrumente
(Kelterwannen, Kelterdeckel, Hölze, Hebelsteine usw.) zur Herstellung
des Weines.
Um unsere Wanderung fortzusetzen, muß man am Graben Barione,
wo ein Bach fließt, entlang, gehen. Hier ist die Vegetation
üppig: hundertjährige Erlen, Steineichen und Kastanien
(Castanea sativa) wachsen im Talgrund neben vielen Arten von Farnen,
(Polypodium vulgare), Brombeeren, (Rubus ulmifolius) (optimaler
Lebensraum und Versteck für die kleinen Bewohner der Macchia,
die Grasmücken) uind Rankenpflanzen wie die Waldreben, (Vitalba
elematis) mit langen hängenden charakteristischen Lianen; der
Sturzbach fließt schnell entlang der Granitfalten, einmal
kleine Becken, ein anderes Mal kleine Wasserfälle formend,
all das in einer heiteren Landschaft.
Ab und zu scheint der Weg den Sturzbach zu verlassen, die Hänge
des Tales nach Norden hinauf steigend, um ihm später wieder
zu begegnen. So weitergehend, fast eine Stunde, immer vom Getöse
des Wassers begleitet, kommen wir in die Nähe eines kleinen
Wasserfalls, über welchen der Weg den Graben verläßt
und den Berg auf der südlichen Seite des Sturzbaches heraufsteigt:
Hier dominieren wieder Baumheiden, Erdbeerbäume und Steineichen
die Vegetation. Der Boden des Weges ist oft von Wildschweinen (Stus
scrofa) umgegraben, auf der Suche nach Wurzeln und anderem Futter
versetzen sie auch große Steine. Andere, sehr scheue Huftiere,
weiden in kleinen Gruppen auf den Wiesen des Grottaccia Hügels:
Es sind die Muffeltiere (Ovis musimon), die oft ins Tal bis zum
Bach absteigen, um die jungen Knospen zu ähsen. Der Weg steigt
jetzt an, fast rückwärts, in Richtung des Grottaccia Hügels
(Süd -West) und läßt die Macchia hinter sich. Am
Gipfel angekommen, in der Nähe eines alten Capriles, finden
wir eine Kreuzung; vor dieser müssen wir nach rechts abbiegen
und, dem westlichen Hang entlang, weitergehen.
Der Weg führt in 20 Minuten bis zum Hügel der Grottaccia:
(630 m Höhe) Man ahnt hier einen geheimnisvollen Geist von
antikem Leben. Vom Gipfel über die Felsen und die antiken Trockenmauern,
vermutlich von Bevölkerungen subapenninischer Kultur, gebaut,
kann man ein eindrucksvolles Panaroma bewundern. Die oft mehr als
ein Meter dicken Mauern bilden einen den Hügel umringenden
Gürtel, der mal eine richtige Höhenbefestigung darstellen
sollte.
Weiter unten in den buschigen Steppen einer Ebene, deuten sorgfältig
geglättete Steine und Tonscherben auf eine antike Präsenz
hin: Bevölkerungen von Land und Hirtenkultur wählten diese
Anhöhen als Aussichtspunkte, (von hier dominiert man das Meer
von Elba, Montecristo und Korsika) und als Verteidigungswälle
gegen die Angriffe von kriegerischen für mehrere Jahrhunderte
das Mittelmeer mit ihren Streifzügen dominierenden Bevölkerungen.
In näheren Zeiten wurden die geglätteten Steine zur Bebauung
von zwei, auf beiden Seiten des Plateaus heute noch sichtbaren herrlichen
Caprili, benutzt). Um den Weg wieder aufzunehmen, vom kleinen Hügel
aus, müssen wir an dem westlichen Caprile vorbeigehen, dann
sofort nach links abbiegen, so befinden wir uns auf der Südseite
des Hügels; von hier aus ist es leicht, hinab zu geben und
sowohl den Monte Cenno als auch den Monte Orlano zu erreichen. Vorsicht
bei der Gabelung: Dort müssen wir den Wegweiser Nr. 35 mißachten
und, um nach Pomonte zurückzukehren, Nr. 31, Richtung Süd-West
einschlagen. Den Gipfel des Monte Orlano erkennen wir an den riesigen
verschiedenartig modellierten Granitfelsen und an charakteristischen
Aushöhlungen und Schluchten von Erosionen hervorgerufen, am
ganzen Monte Capanne vorzufinden.
An diesen Orten ist es ratsam sehr wachsam zu sein und schweigend
fortzuschreiten, um jedes kleine Ereignis der Natur mitzukriegen:
auf den Felsen ringsum, kann man den Schmätzer (Oenanthe hispanica),
einen überwinternden Zugvogel mit gewundenen Linien und schwarzweißem
Gefieder, wahrnehmen. Es ist etwas schwieriger aber ohne weiteres
möglich, die Spinnen und kleine Insekten suchende Alpenbraunelle
(Prunella collaris), unregelmäßiger Besucher der Steppe
des Monte Capanne zu erspähen, Wie einfach ist es dagegen die
Flugevolutionen des Mäusebussards (Buteo buteo) während
der Paarungszeit zu beobachten, (zwischen März und Mai), oder
die musikalischen Gesänge der Grasmücke (Sylvia melanocephala),
der Dorngrasmücke (SyIvia cantillans) und des Sperlingsweibchen
(Prunella niodularis), der Familie der Braunellen, die sich gern
in den brachliegenden Feldern und Steppen aufhalten. In der Nähe
des Monte Orlano macht die Wanderung eine nach Süd-Westen,
fast den Hügel umgehende Wende und so können wir in kurzer
Zeit von Süd nach Nord gelangen.
Wenn man den Caprile von Monte Schiappone erreicht, führt
der Weg steil nach Nord - Westen hinab und ist mit Vorsicht zu begehen,
vor allem bei Feuchtigkeit oder Glatteis. In wenigen Minuten befindet
man sich in verlassenen Landwirschaftsgebieten, durch die dichte
Vegetation nur noch schwer zu erkennen. Die hundertjährigen,
mit Trockenmauern begrenzten Wegrände sind mit Flechten bizzarrer
Formen bedeckt, sowie mit wilden und fruchtbaren spontanen Pflanzen,
wie die Myrte (Myrhis communis), von den Einwohnern "Mortella"
oder "Mortellizzo" genannt mit deren Beeren man einen
ausgezeichneten Likör produziert. Am Ende des Abstieges befindet
man sich wieder auf dem Weg Nr. 9, den wir um den oberen Teil des
Tales zu erreichen durchgegangen sind; von hier aus werden wir in
kurzer Zeit wieder nach Pomonte zurückkehren.
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